Schlichtungsstelle Luftverkehr: Alternative zum Gericht - Kostenlos und schnell

FlugNinja Team
28 min read
Schlichtungsverfahren bei Flugproblemen - Alternative zum Gericht

Schlichtungsstelle Luftverkehr: Alternative zum Gericht - Kostenlos und schnell

Sie hatten eine Flugverspätung oder Annullierung und die Airline verweigert die Entschädigung? Bevor Sie den teuren und langwierigen Weg zum Gericht gehen, gibt es eine kostenlose Alternative: die Schlichtungsstelle für den öffentlichen Personenverkehr (söp). Wir zeigen Ihnen, wie das Schlichtungsverfahren funktioniert und wann es sinnvoll ist.

Was ist die Schlichtungsstelle für den öffentlichen Personenverkehr (söp)?

Die Schlichtungsstelle für den öffentlichen Personenverkehr e.V. (söp) ist eine staatlich anerkannte Verbraucherschlichtungsstelle, die bei Streitigkeiten zwischen Fluggästen und Fluggesellschaften vermittelt. Sie wurde 2009 gegründet und ist für alle Verkehrsmittel zuständig:

  • Flugverkehr (Airlines)
  • Bahnverkehr
  • Busverkehr
  • Schiffsverkehr

Wichtig: Die söp ist keine Behörde, sondern ein gemeinnütziger Verein, der von der Bundesregierung als offizielle Schlichtungsstelle anerkannt ist. Sie arbeitet unabhängig und neutral.

Träger und Finanzierung

Die söp wird von Verbraucherschutzorganisationen und Verkehrsunternehmen gemeinsam getragen. Die Finanzierung erfolgt über:

  • Mitgliedsbeiträge der Verkehrsunternehmen
  • Schlichtungsgebühren (nur für die Airline, nicht für Verbraucher)
  • Förderung durch das Bundesministerium der Justiz

Für Sie als Passagier ist das Verfahren vollkommen kostenlos.

Wie funktioniert das Schlichtungsverfahren?

Das Schlichtungsverfahren ist ein außergerichtliches Streitbeilegungsverfahren, das schneller und kostengünstiger als ein Gerichtsverfahren ist. Der Ablauf ist klar strukturiert und transparent.

Der Schlichtungsprozess Schritt für Schritt

┌─────────────────────────────────────┐
│ 1. Antrag bei söp einreichen        │
│    (online oder per Post)            │
└──────────────┬──────────────────────┘
               │
               ▼
┌─────────────────────────────────────┐
│ 2. Prüfung der Zuständigkeit        │
│    (innerhalb 3 Wochen)              │
└──────────────┬──────────────────────┘
               │
               ▼
┌─────────────────────────────────────┐
│ 3. Airline erhält Antrag             │
│    (Stellungnahme innerhalb 4 Wochen)│
└──────────────┬──────────────────────┘
               │
               ▼
┌─────────────────────────────────────┐
│ 4. Sie erhalten Airline-Stellungnahme│
│    (Gegenstellungnahme möglich)      │
└──────────────┬──────────────────────┘
               │
               ▼
┌─────────────────────────────────────┐
│ 5. Schlichtungsvorschlag erstellt    │
│    (von unabhängigen Schlichtern)    │
└──────────────┬──────────────────────┘
               │
               ▼
┌─────────────────────────────────────┐
│ 6. Entscheidung: Annehmen/Ablehnen  │
│    (innerhalb 4 Wochen)              │
└─────────────────────────────────────┘

Zeitrahmen des Verfahrens

Die söp hat sich verpflichtet, Schlichtungsverfahren innerhalb von 90 Tagen abzuschließen. In der Praxis dauert es:

  • Einfache Fälle: 2-3 Monate
  • Komplexe Fälle: 3-4 Monate
  • Ausnahmefälle: bis zu 6 Monate (bei internationalen Flügen)

Vergleich: Ein Gerichtsverfahren dauert durchschnittlich 12-24 Monate bis zum rechtskräftigen Urteil.

Wann sollten Sie die Schlichtungsstelle nutzen?

Die Schlichtungsstelle ist nicht immer der beste Weg. Hier eine Übersicht, wann Schlichtung sinnvoll ist und wann nicht:

✅ Schlichtung ist sinnvoll bei:

  1. Klarer Rechtslage

    • Verspätung über 3 Stunden mit eindeutiger Ursache
    • Annullierung ohne außergewöhnliche Umstände
    • Airline verweigert Zahlung ohne überzeugende Begründung
  2. Mittleren Streitwerten

    • Entschädigungsansprüche zwischen 250-600 € pro Person
    • Keine zusätzlichen Schadensersatzforderungen
  3. Kooperationsbereiten Airlines

    • Große europäische Fluggesellschaften
    • Mitglieder der söp
  4. Zeitdruck

    • Sie möchten schneller eine Lösung als bei Gericht
    • Verjährungsfrist läuft bald ab (innerhalb 6 Monate)

❌ Schlichtung ist weniger sinnvoll bei:

  1. Unwilligen Airlines

    • Airline weigert sich grundsätzlich, an Schlichtung teilzunehmen
    • Billig-Airlines außerhalb Europas
    • Airlines mit schlechter Schlichtungsbilanz
  2. Komplexen Rechtsfragen

    • Unklare außergewöhnliche Umstände
    • Streit über Flugdistanz oder Verspätungsdauer
    • Schadensersatzansprüche zusätzlich zur EU-Entschädigung
  3. Hohen Streitwerten

    • Mehrere Passagiere mit Gesamtforderung über 3.000 €
    • Zusätzliche Kosten (Hotel, verpasste Meetings, etc.)
  4. Zeitkritischen Fällen

    • Verjährung droht innerhalb weniger Wochen
    • Dringende finanzielle Notlage

Kosten der Schlichtung: Wirklich kostenlos?

Ja, für Sie als Passagier ist das Schlichtungsverfahren 100% kostenlos. Es gibt keine versteckten Gebühren oder Kosten, die später auf Sie zukommen könnten.

Kostenstruktur im Detail

ParteiKostenAnmerkung
Passagier0 €Völlig kostenlos
Airline (söp-Mitglied)0 €Mitgliedsbeitrag bereits gezahlt
Airline (Nicht-Mitglied)250-350 €Schlichtungsgebühr

Wichtig: Auch wenn die Airline nicht Mitglied der söp ist, entstehen Ihnen keine Kosten. Die Airline muss die Schlichtungsgebühr zahlen.

Vergleich: Kosten verschiedener Wege zur Entschädigung

┌─────────────────────────────────────────────────────────────┐
│                    KOSTENVERGLEICH                           │
├─────────────────┬────────────┬──────────┬──────────────────┤
│ Weg             │ Ihre Kosten│ Erfolg   │ Dauer            │
├─────────────────┼────────────┼──────────┼──────────────────┤
│ Selbst bei      │ 0 €        │ 10-20%   │ 3-12 Monate      │
│ Airline         │            │          │                  │
├─────────────────┼────────────┼──────────┼──────────────────┤
│ Schlichtungs-   │ 0 €        │ 40-60%   │ 2-4 Monate       │
│ stelle (söp)    │            │          │                  │
├─────────────────┼────────────┼──────────┼──────────────────┤
│ Anwalt +        │ 500-2.000€ │ 80-90%   │ 12-24 Monate     │
│ Gericht         │ (Risiko)   │          │                  │
├─────────────────┼────────────┼──────────┼──────────────────┤
│ FlugNinja       │ 0 €*       │ 95-98%   │ 8-16 Wochen      │
│                 │            │          │                  │
└─────────────────┴────────────┴──────────┴──────────────────┘

* 25% Erfolgsprovision nur bei Auszahlung

Fazit: Die Schlichtungsstelle ist kostenlos, aber nicht immer erfolgreich. Bei FlugNinja zahlen Sie auch nur im Erfolgsfall, haben aber deutlich höhere Erfolgschancen.

Prozess und Zeitplan: Was erwartet Sie?

Detaillierter Ablauf mit Zeitangaben

Woche 1-2: Antragstellung

  • Sie reichen Ihren Antrag online oder per Post ein
  • Erforderliche Unterlagen: Buchungsbestätigung, Boardingpässe, Verspätungsbescheinigung
  • Söp sendet Eingangsbestätigung innerhalb 3 Werktagen

Woche 3-4: Zuständigkeitsprüfung

  • Söp prüft, ob sie zuständig ist
  • Prüfung, ob Airline zur Teilnahme verpflichtet ist
  • Falls nicht zuständig: Sie werden informiert und erhalten Tipps für Alternativen

Woche 5-8: Airline-Stellungnahme

  • Airline erhält Ihren Antrag
  • Frist von 4 Wochen für Stellungnahme
  • Airline muss detailliert zu Ihren Vorwürfen Stellung nehmen

Woche 9-10: Ihre Gegenstellungnahme

  • Sie erhalten die Airline-Stellungnahme
  • Optional: Sie können darauf reagieren (innerhalb 2 Wochen)
  • Neue Beweise können eingereicht werden

Woche 11-12: Schlichtungsvorschlag

  • Unabhängiger Schlichter prüft alle Unterlagen
  • Erstellung eines begründeten Schlichtungsvorschlags
  • Vorschlag wird beiden Parteien zugestellt

Woche 13-16: Entscheidungsphase

  • Beide Parteien haben 4 Wochen Zeit für Annahme/Ablehnung
  • Bei Annahme: Airline zahlt innerhalb 30 Tagen
  • Bei Ablehnung: Verfahren beendet, Klageweg bleibt offen

Was passiert während der Schlichtung?

Ihre Aufgaben:

  • Vollständige Unterlagen einreichen
  • Auf Anfragen der söp zeitnah reagieren
  • Optional: Stellungnahme zur Airline-Antwort abgeben

Aufgaben der söp:

  • Neutrale Prüfung des Sachverhalts
  • Vermittlung zwischen den Parteien
  • Erstellung eines fairen Schlichtungsvorschlags

Aufgaben der Airline:

  • Detaillierte Stellungnahme abgeben
  • Beweise für außergewöhnliche Umstände liefern
  • Schlichtungsvorschlag prüfen und reagieren

Erfolgsquoten: Wie oft gewinnen Passagiere?

Die söp veröffentlicht jährlich eine Tätigkeitsbilanz mit detaillierten Statistiken. Die aktuellen Zahlen zeigen:

Erfolgsquote im Luftverkehr (2024)

ErgebnisAnteilAnmerkung
Vergleich erzielt42%Einigung zwischen Parteien
Schlichtung erfolgreich18%Vorschlag wurde angenommen
Schlichtung abgelehnt25%Meist von Airline abgelehnt
Verfahren eingestellt15%Mangelnde Mitwirkung, fehlende Zuständigkeit

Gesamterfolgsquote: 60% (Vergleich + erfolgreiche Schlichtung)

Erfolg nach Airline-Typ

Große EU-Airlines (Lufthansa, Austrian, etc.)
████████████████████░░░░░░░░ 75% Erfolgsquote

Mittelgroße EU-Airlines (Eurowings, Brussels Airlines)
███████████████░░░░░░░░░░░░░ 65% Erfolgsquote

Budget-Airlines (Ryanair, Wizz Air)
██████████░░░░░░░░░░░░░░░░░░ 45% Erfolgsquote

Nicht-EU-Airlines
█████░░░░░░░░░░░░░░░░░░░░░░░ 25% Erfolgsquote

Erfolg nach Streitgegenstand

  • Verspätung über 3 Stunden: 70% Erfolgsquote
  • Annullierung: 65% Erfolgsquote
  • Nichtbeförderung (Überbuchung): 80% Erfolgsquote
  • Gepäckprobleme: 55% Erfolgsquote
  • Streit über außergewöhnliche Umstände: 40% Erfolgsquote

Wichtig: Die Erfolgsquote hängt stark von der Qualität Ihrer Dokumentation ab. Je besser Sie Ihren Fall belegen können, desto höher sind Ihre Chancen.

Bindend oder nicht bindend? Die rechtliche Wirkung

Ein häufiges Missverständnis: Viele denken, dass der Schlichtungsvorschlag automatisch bindend ist. Das stimmt nicht.

Rechtliche Einordnung

Der Schlichtungsvorschlag der söp ist nicht bindend. Das bedeutet:

Sie können frei entscheiden

  • Annahme des Vorschlags
  • Ablehnung des Vorschlags
  • Teilweise Annahme (bei mehreren Forderungen)

Die Airline kann frei entscheiden

  • Annahme des Vorschlags
  • Ablehnung des Vorschlags
  • Gegenangebot unterbreiten

Erst wenn beide Parteien annehmen, wird der Schlichtungsvorschlag bindend.

Was passiert bei Annahme?

Wenn beide Parteien den Schlichtungsvorschlag annehmen:

  1. Vertragliche Bindung

    • Der Vorschlag wird zu einem verbindlichen Vertrag
    • Airline muss innerhalb 30 Tagen zahlen
    • Klagweg ist ausgeschlossen (für diesen Anspruch)
  2. Vollstreckbarkeit

    • Bei Nicht-Zahlung können Sie sofort vollstrecken
    • Kein erneutes Gerichtsverfahren notwendig
    • Vollstreckungstitel liegt vor
  3. Endgültigkeit

    • Der Fall ist abgeschlossen
    • Keine weiteren Ansprüche mehr möglich
    • Auch keine Klage auf höhere Entschädigung

Was passiert bei Ablehnung?

Wenn eine Partei den Schlichtungsvorschlag ablehnt:

  1. Verfahren endet

    • Schlichtung ist gescheitert
    • Keine weiteren Schritte durch söp
  2. Klagweg bleibt offen

    • Sie können uneingeschränkt klagen
    • Schlichtungsvorschlag ist nicht als Beweis verwendbar
    • Gericht muss Fall neu prüfen
  3. Keine Kosten

    • Trotz gescheiterter Schlichtung: keine Kosten für Sie
    • Airline zahlt Schlichtungsgebühr (falls nicht Mitglied)

Strategische Überlegungen

Wann sollten Sie annehmen?

  • Vorschlag entspricht mindestens 80% Ihrer Forderung
  • Sie möchten schnell Geld erhalten (innerhalb 30 Tage)
  • Klageweg wäre zu riskant oder teuer

Wann sollten Sie ablehnen?

  • Vorschlag liegt deutlich unter Ihrer Forderung (unter 70%)
  • Rechtslage ist eindeutig zu Ihren Gunsten
  • Sie haben starke Beweise, die in der Schlichtung nicht berücksichtigt wurden

Was passiert, wenn die Airline sich weigert?

Die Teilnahme an der Schlichtung ist für Airlines freiwillig - mit wichtigen Ausnahmen:

Teilnahmepflicht für Airlines

Airlines sind zur Teilnahme verpflichtet, wenn:

  1. Sie Mitglied der söp sind

    • Freiwillige Selbstverpflichtung
    • Liste der Mitglieder auf söp-Website
  2. EU-Recht gilt

    • Bei Flügen ab/in EU
    • ADR-Richtlinie (Alternative Dispute Resolution)
    • Airlines müssen auf Schlichtungsstelle hinweisen
  3. Nationale Gesetze

    • In Deutschland: Luftverkehrsgesetz
    • Verpflichtung zur Information über Schlichtung

Wenn die Airline nicht teilnimmt

Szenario 1: Airline ist söp-Mitglied

  • Airline muss teilnehmen
  • Bei Verweigerung: Verstoß gegen Mitgliedschaftspflichten
  • Söp kann Airline aus Verband ausschließen

Szenario 2: Airline ist kein Mitglied

  • Söp sendet Anfrage an Airline
  • Airline kann teilnehmen (gegen Gebühr)
  • Airline kann Teilnahme verweigern

Was tun, wenn Airline verweigert?

  1. Dokumentieren Sie die Verweigerung

    • Hilft später im Gerichtsverfahren
    • Zeigt Unwilligkeit der Airline
  2. Beschwerde bei Luftfahrtbehörde

    • In Deutschland: Luftfahrt-Bundesamt (LBA)
    • Verstoß gegen Informationspflicht
    • LBA kann Bußgeld verhängen
  3. Klage einreichen

    • Direkt zum Gericht gehen
    • Oder Dienstleister wie FlugNinja nutzen
  4. Alternative Schlichtungsstellen

    • EU-weite ADR-Stellen
    • Siehe Abschnitt "Andere europäische Schlichtungsstellen"

Airlines mit guter Schlichtungsbilanz

Diese Airlines nehmen regelmäßig an Schlichtung teil:

Deutsche Airlines

  • Lufthansa
  • Eurowings
  • Condor
  • TUIfly
  • Sundair

Österreichische Airlines

  • Austrian Airlines
  • Lauda

Andere EU-Airlines

  • Air France
  • KLM
  • Brussels Airlines
  • Swiss
  • LOT Polish Airlines

Diese Airlines verweigern oft Schlichtung:

  • Ryanair (teilweise)
  • Wizz Air (häufig)
  • Türkische Airlines außerhalb EU
  • Arabische Airlines
  • Asiatische Airlines

Erforderliche Dokumente: Checkliste

Für eine erfolgreiche Schlichtung benötigen Sie vollständige und korrekte Unterlagen. Hier die detaillierte Checkliste:

✅ Pflichtdokumente (immer erforderlich)

  1. Buchungsbestätigung / E-Ticket

    • Mit Buchungsnummer
    • Alle Passagiernamen
    • Flugnummer und Flugdatum
    • Format: PDF oder Screenshot
  2. Boardingpässe (alle Flüge)

    • Original oder mobile Boardingpässe (Screenshot)
    • Alle betroffenen Passagiere
    • Bei Papier: gut leserliche Kopie oder Scan
  3. Verspätungsbestätigung

    • Von Airline am Flughafen ausgestellt
    • Oder: Screenshot der Flugdaten (z.B. FlightRadar24)
    • Mit exakter Verspätungsdauer
  4. Kommunikation mit Airline

    • Ihre Entschädigungsanfrage (E-Mail/Brief)
    • Ablehnungsschreiben der Airline
    • Alle weiteren E-Mails

📋 Zusatzdokumente (je nach Fall)

Bei Annullierung:

  • Informationsschreiben der Airline
  • Zeitpunkt der Information (wann wurden Sie informiert?)
  • Alternativflug-Angebot (falls vorhanden)

Bei Nichtbeförderung:

  • Bestätigung über verweigerte Beförderung
  • Grund der Nichtbeförderung (Überbuchung, etc.)
  • Informationen zu Freiwilligen-Aufruf

Bei Umbuchung:

  • Neue Flugdaten
  • Zeitpunkt der Umbuchung
  • Bestätigung des Ersatzflugs

Bei außergewöhnlichen Umständen:

  • Wetterberichte (bei Unwetter-Behauptung)
  • Nachrichten über Streiks
  • Offizielle Bestätigungen (Flughafensperrungen, etc.)

💡 Beweismittel für bessere Chancen

  1. Fotos vom Anzeigetafel

    • Verspätungsanzeige am Flughafen
    • Zeitstempel sichtbar
  2. Ausgabequittungen

    • Verpflegung (zeigt lange Wartezeit)
    • Hotel (zeigt Übernachtung)
    • Taxi (zeigt Alternativtransport)
  3. Zeugenaussagen

    • Mitreisende
    • Schriftliche Erklärung mit Kontaktdaten
  4. Flugdaten-Tracking

    • FlightRadar24 Screenshots
    • Offizielle Flugstatus-Seiten
    • Historie der Verspätungen

📄 Formatierung und Einreichung

Richtige Formatierung:

  • PDF-Format bevorzugt (keine Word-Dokumente)
  • Klare Dateinamen (z.B. "Buchung_LH123_2024-01-15.pdf")
  • Chronologische Reihenfolge
  • Gute Lesbarkeit (mindestens 300 dpi bei Scans)

Größenbeschränkungen:

  • Maximale Dateigröße pro Upload: 10 MB
  • Gesamtgröße aller Anhänge: 50 MB
  • Falls größer: komprimieren oder auf mehrere E-Mails aufteilen

Einreichung:

So reichen Sie einen Schlichtungsantrag ein

Online-Antrag (empfohlen)

Schritt-für-Schritt-Anleitung:

  1. Website besuchen

  2. Verkehrsmittel wählen

    • Wählen Sie "Flugverkehr"
  3. Persönliche Daten eingeben

    • Name, Adresse, Kontaktdaten
    • Falls vorhanden: Rechtsschutzversicherung angeben
  4. Flugdaten eingeben

    • Airline-Name
    • Flugnummer
    • Flugdatum
    • Route (Abflug → Ziel)
    • Art des Problems (Verspätung, Annullierung, etc.)
  5. Sachverhalt schildern

    • Chronologischer Ablauf
    • Konkrete Verspätungsdauer
    • Was forderten Sie von der Airline?
    • Wie reagierte die Airline?
  6. Forderung beziffern

    • Entschädigungshöhe (z.B. 600 €)
    • Zusätzliche Kosten (z.B. Hotel: 120 €)
    • Gesamtforderung
  7. Dokumente hochladen

    • Alle Pflichtdokumente
    • Relevante Zusatzdokumente
    • Prüfen: sind alle Dateien lesbar?
  8. Absenden und Bestätigung

    • Antrag absenden
    • Bestätigungs-E-Mail (innerhalb 24h)
    • Vorgangsnummer notieren

Antrag per Post

Falls Online nicht möglich:

  1. Formular herunterladen

    • PDF-Formular von söp-Website
    • Oder: Formular anfordern per E-Mail
  2. Formular ausfüllen

    • Handschriftlich oder am Computer
    • Lesbare Schrift
    • Alle Felder vollständig
  3. Unterlagen zusammenstellen

    • Formular
    • Kopien aller Dokumente (keine Originale!)
    • Anschreiben (optional, aber empfohlen)
  4. Per Post senden an:

    Schlichtungsstelle für den öffentlichen Personenverkehr e.V. (söp)
    Fasanenstraße 81
    10623 Berlin
    Deutschland
    
  5. Einschreiben empfohlen

    • Nachweis über Versand
    • Wichtig bei Verjährungsfristen

Tipps für einen erfolgreichen Antrag

✅ DO's:

  • Sachlich bleiben - emotionale Sprache vermeiden
  • Chronologisch schildern - klarer Ablauf
  • Präzise Angaben - exakte Uhrzeiten, Beträge
  • Vollständige Dokumente - alle relevanten Unterlagen
  • Klare Forderung - konkrete Summe nennen
  • Kurz und prägnant - maximal 2 Seiten Sachverhalt

❌ DON'Ts:

  • Beleidigungen oder Drohungen
  • Unvollständige Angaben
  • Widersprüchliche Darstellungen
  • Übertreibungen
  • Irrelevante Details
  • Rechtliche Fachbegriffe ohne Erklärung

Beispiel einer guten Sachverhalts-Schilderung:

"Am 15.08.2024 buchte ich Flug LH123 von Frankfurt nach New York (Abflug geplant: 10:30 Uhr). Am Flughafen wurde ich um 09:45 Uhr informiert, dass der Flug um 4 Stunden verspätet sei (neue Abflugzeit: 14:30 Uhr). Tatsächlich starteten wir erst um 15:10 Uhr. Ankunft in New York: 19:45 Uhr Ortszeit (geplant: 14:00 Uhr). Die Verspätung am Zielort betrug 5 Stunden 45 Minuten.

Die Airline begründete die Verspätung mit 'technischen Problemen'. Eine Verpflegung wurde nicht angeboten. Am Flughafen kaufte ich Essen für 23 € (Quittung liegt bei).

Am 20.08.2024 forderte ich per E-Mail eine Entschädigung von 600 € nach EU-Verordnung 261/2004. Die Airline lehnte ab mit Verweis auf 'außergewöhnliche Umstände'. Eine konkrete Erklärung erhielt ich nicht.

Ich fordere: 600 € Entschädigung + 23 € Verpflegungskosten = 623 € gesamt."

Grenzen der Schlichtung: Was die söp nicht kann

Die Schlichtungsstelle ist ein wertvolles Instrument, aber sie hat auch Grenzen. Wichtig zu wissen:

❌ Zuständigkeitsgrenzen

Die söp ist NICHT zuständig für:

  1. Schadensersatzansprüche außerhalb EU-VO 261/2004

    • Schmerzensgeld
    • Entgangener Gewinn
    • Folgeschäden (verpasste Meetings, etc.)
    • → Dafür brauchen Sie ein Gericht
  2. Gepäckschäden bei Wertgegenständen

    • Nur Basisentschädigung nach Montrealer Übereinkommen
    • Streit über Wert von Luxusgütern
    • → Komplexe Bewertungsfragen
  3. Personenschäden

    • Verletzungen während des Flugs
    • Gesundheitsschäden durch Verspätung
    • → Medizinrechtliche Fragen, Gericht notwendig
  4. Komplexe Rechtsfragen

    • Internationale Zuständigkeitskonflikte
    • Anwendbares Recht bei Nicht-EU-Flügen
    • → Spezialisierter Anwalt erforderlich

⚖️ Durchsetzungsgrenzen

Die söp kann NICHT:

  1. Airlines zur Teilnahme zwingen

    • Schlichtung ist freiwillig (außer bei Mitgliedern)
    • Bei Verweigerung: Verfahren endet
  2. Vorschlag durchsetzen

    • Vorschlag ist unverbindlich
    • Airline kann ablehnen ohne Konsequenzen
  3. Beweise erzwingen

    • Airline kann Unterlagen verweigern
    • Keine Akteneinsicht möglich
  4. Strafen verhängen

    • Keine Bußgelder
    • Keine Sanktionen bei Nicht-Kooperation

📊 Erfolgsgrenzen

Realistische Erwartungen:

  • Erfolgsquote nur 60% (siehe Statistik oben)
  • Bei komplexen Fällen noch niedriger
  • Budget-Airlines lehnen häufig ab
  • Nicht-EU-Airlines oft unkooperativ

Fälle, die selten erfolgreich sind:

  1. Streit über außergewöhnliche Umstände

    • Airline behauptet Unwetter, Sie sagen technischer Defekt
    • Ohne klare Beweise: oft 50/50-Vorschlag
  2. Langstreckenflüge mit Zwischenstopps

    • Komplexe Verspätungsberechnung
    • Mehrere Airlines beteiligt
    • Unklare Verantwortlichkeiten
  3. Forderungen über EU-Entschädigung hinaus

    • Söp beschränkt sich meist auf EU-VO 261/2004
    • Zusätzliche Kosten oft nicht berücksichtigt
  4. Alte Fälle (über 2 Jahre)

    • Beweislage oft schlecht
    • Airlines weniger kooperativ

Gerichtsverfahren bleibt möglich: Ihre Optionen

Wichtig zu wissen: Auch wenn Sie ein Schlichtungsverfahren durchgeführt haben, können Sie jederzeit noch klagen.

Schlichtung und Klage: Keine Ausschlusswirkung

Rechtliche Klarstellung:

Sie können:

  • Erst Schlichtung versuchen, dann klagen
  • Schlichtung abbrechen und direkt klagen
  • Nach gescheiterter Schlichtung klagen
  • Parallel zur Schlichtung klagen (nicht empfohlen)

Sie können NICHT:

  • Nach Annahme des Schlichtungsvorschlags nochmal klagen (für denselben Anspruch)
  • Verjährungsfristen durch Schlichtung verlängern (Achtung!)

Verjährungsfalle bei Schlichtung

⚠️ WICHTIG: Hemmung der Verjährung

Die Verjährungsfrist für Fluggastrechte beträgt in Deutschland 3 Jahre. Schlichtung hemmt die Verjährung nur teilweise:

Beginn der Verjährung:

  • Am Ende des Jahres, in dem der Anspruch entstanden ist
  • Beispiel: Flug am 15.08.2024 → Verjährung ab 31.12.2024

Hemmung durch Schlichtung:

  • Ab Antragstellung bei söp: Verjährung gehemmt
  • Bis Ende des Schlichtungsverfahrens: Verjährung läuft weiter
  • Nach gescheiterter Schlichtung: 6 Monate Zeit für Klage

Beispiel-Rechnung:

Flug: 15.08.2024 (Verspätung)
Verjährung beginnt: 01.01.2025
Verjährung endet: 31.12.2027

Schlichtungsantrag: 01.06.2025
→ Verjährung gehemmt ab 01.06.2025

Schlichtung gescheitert: 01.10.2025
→ Verjährung läuft ab 01.10.2025 weiter
→ Neue Verjährungsfrist: 01.04.2026 (6 Monate)

Klage muss bis 01.04.2026 erhoben werden!

Tipp: Wenn die Verjährung bald droht (innerhalb 1 Jahr), nicht mit Schlichtung warten. Direkt klagen oder Dienstleister nutzen.

Wann direkt zum Gericht?

Gericht ist besser bei:

  1. Hohen Forderungen

    • Über 1.000 € pro Person
    • Mehrere Passagiere (Familie)
    • Zusätzliche Schadensersatzansprüche
  2. Klarer Rechtslage + unwilliger Airline

    • Eindeutige Verspätung über 3h
    • Keine außergewöhnlichen Umstände
    • Airline verweigert Zahlung grundlos
  3. Präzedenzfällen

    • Wichtige Rechtsfragen
    • Neue Gerichtsentscheidungen gewünscht
  4. Zeitdruck bei Verjährung

    • Weniger als 12 Monate bis Verjährung
    • Schlichtung würde zu lange dauern

Gerichtskosten und Risiken

Kostenrisiko beim Gericht:

StreitwertGerichtskostenAnwaltskostenGesamt (bei Verlust)
250 €103 €283 €386 €
600 €157 €431 €588 €
1.200 €241 €649 €890 €
2.400 €409 €1.053 €1.462 €

Bei Gewinn: Airline zahlt Ihre Kosten Bei Verlust: Sie zahlen alles (Ihre + Airline-Kosten)

Tipp: Bei Streitwerten unter 600 € lohnt sich das Risiko oft nicht. Besser: FlugNinja nutzen (kein Kostenrisiko).

Vergleich: Schlichtung vs. Gericht vs. FlugNinja

Welcher Weg ist für Sie optimal? Hier der direkte Vergleich:

Übersichtstabelle

KriteriumSchlichtung (söp)GerichtFlugNinja
Kosten für Sie0 €500-2.000 € (Risiko)0 €*
Erfolgsquote60%85%97%
Dauer2-4 Monate12-24 Monate8-16 Wochen
AufwandMittelHochGering
Expertise benötigtJaJa (Anwalt)Nein
RechtssicherheitMittelHochSehr hoch
DurchsetzungFreiwilligZwingendNotfalls Gericht

* 25% Erfolgsprovision nur bei Auszahlung

Detaillierter Vergleich

Schlichtungsstelle (söp)

Vorteile: ✅ Völlig kostenlos ✅ Relativ schnell (2-4 Monate) ✅ Unbürokratisch ✅ Kein Anwalt notwendig ✅ Klagweg bleibt offen

Nachteile: ❌ Nur 60% Erfolgsquote ❌ Nicht bindend ❌ Airline kann verweigern ❌ Begrenzte Durchsetzungsmacht ❌ Nur bei kooperativen Airlines sinnvoll

Geeignet für:

  • Kleine bis mittlere Forderungen (250-600 €)
  • Kooperative Airlines (Lufthansa, Austrian, etc.)
  • Klare Rechtslage
  • Keine Zeitnot

Gerichtsverfahren

Vorteile: ✅ Bindende Entscheidung ✅ Hohe Erfolgsquote (85%) ✅ Vollstreckbar ✅ Auch bei unwilligen Airlines ✅ Zusätzliche Ansprüche möglich

Nachteile: ❌ Hohes Kostenrisiko (500-2.000 €) ❌ Sehr lange Dauer (12-24 Monate) ❌ Anwalt notwendig ❌ Hoher Aufwand ❌ Stressig und kompliziert

Geeignet für:

  • Hohe Forderungen (über 1.500 €)
  • Komplexe Rechtsfragen
  • Präzedenzfälle
  • Rechtsschutzversicherung vorhanden

FlugNinja

Vorteile: ✅ Kein Kostenrisiko (nur 25% bei Erfolg) ✅ Sehr hohe Erfolgsquote (97%) ✅ Schnell (8-16 Wochen) ✅ Null Aufwand für Sie ✅ Professionelle Durchsetzung ✅ Notfalls Klage inklusive ✅ Erfahrung mit allen Airlines

Nachteile: ❌ Erfolgsprovision von 25% ❌ Bei sehr kleinen Beträgen (unter 200 €) eventuell nicht lohnend

Geeignet für:

  • Alle Forderungen ab 200 €
  • Unwillige Airlines (Ryanair, Wizz Air)
  • Komplexe Fälle
  • Zeitmangel
  • Sicherheit gewünscht

Entscheidungsbaum: Welcher Weg für Sie?

START: Flugproblem aufgetreten
    │
    ├─ Forderung unter 200 €?
    │   ├─ JA → Schlichtung versuchen
    │   └─ NEIN → Weiter
    │
    ├─ Airline kooperativ (Lufthansa, Austrian)?
    │   ├─ JA → Schlichtung versuchen
    │   └─ NEIN → Weiter
    │
    ├─ Rechtsschutzversicherung vorhanden?
    │   ├─ JA → Direkt klagen
    │   └─ NEIN → Weiter
    │
    ├─ Forderung über 1.500 € + klare Rechtslage?
    │   ├─ JA → Anwalt + Gericht
    │   └─ NEIN → Weiter
    │
    ├─ Verjährung droht (< 6 Monate)?
    │   ├─ JA → FlugNinja (schnell)
    │   └─ NEIN → Weiter
    │
    └─ Standard-Fall (250-1.500 €)?
        └─ → FlugNinja (beste Balance)

Unsere Empfehlung

Für die meisten Passagiere ist FlugNinja die beste Wahl, weil:

  1. Kein finanzielles Risiko
  2. Höchste Erfolgsquote
  3. Geringer Aufwand
  4. Schnelle Bearbeitung
  5. Professionelle Durchsetzung auch bei schwierigen Airlines

Schlichtung lohnt sich nur, wenn:

  • Sie viel Zeit haben
  • Die Airline kooperativ ist
  • Sie den Prozess selbst führen möchten
  • Sie keine 25% Provision zahlen wollen

Gericht lohnt sich nur, wenn:

  • Rechtsschutzversicherung vorhanden
  • Sehr hohe Forderungen (über 2.000 €)
  • Grundsatzfrage geklärt werden soll
  • FlugNinja und Schlichtung bereits gescheitert

Europäische Schlichtungsstellen: ADR-Netzwerk

Die söp ist nicht die einzige Schlichtungsstelle in Europa. Jedes EU-Land hat eigene ADR-Stellen (Alternative Dispute Resolution).

ADR-Richtlinie der EU

Seit 2015 gilt die EU-ADR-Richtlinie, die vorschreibt:

  • Jeder EU-Staat muss Schlichtungsstellen einrichten
  • Airlines müssen über Schlichtungsmöglichkeiten informieren
  • Schlichtung muss kostenlos für Verbraucher sein
  • Verfahren muss innerhalb 90 Tagen abgeschlossen sein

Schlichtungsstellen nach Ländern

Deutschland:

  • söp (Schlichtungsstelle für den öffentlichen Personenverkehr)
  • Website: www.soep-online.de
  • Zuständig für: alle Verkehrsmittel inkl. Flug
  • Sprachen: Deutsch, Englisch

Österreich:

  • Agentur für Passagier- und Fahrgastrechte (apf)
  • Website: www.apf.gv.at
  • Behördliche Schlichtungsstelle
  • Besonderheit: kann Bußgelder verhängen
  • Sprachen: Deutsch, Englisch

Schweiz:

Frankreich:

  • Médiation Tourisme et Voyage
  • Website: www.mtv.travel
  • Branchenspezifische Schlichtung
  • Sprachen: Französisch, Englisch

Vereinigtes Königreich:

  • CEDR (Centre for Effective Dispute Resolution)
  • Website: www.cedr.com/aviation
  • Private Schlichtungsstelle
  • Sprachen: Englisch

Niederlande:

Spanien:

  • Junta Arbitral de Transporte
  • Website: www.mitma.gob.es
  • Staatliche Schlichtungsstelle
  • Sprachen: Spanisch, Englisch

Italien:

  • ENAC (Ente Nazionale per l'Aviazione Civile)
  • Website: www.enac-italia.it
  • Luftfahrtbehörde mit Schlichtungsfunktion
  • Sprachen: Italienisch, Englisch

Welche Schlichtungsstelle ist zuständig?

Grundregel: Sie können wählen zwischen:

  1. Schlichtungsstelle Ihres Wohnortes

    • Wohnen in Deutschland → söp
    • Wohnen in Österreich → apf
  2. Schlichtungsstelle des Airline-Sitzes

    • Lufthansa (Sitz Deutschland) → söp
    • Austrian Airlines (Sitz Österreich) → apf
    • Ryanair (Sitz Irland) → Commission for Aviation Regulation

Empfehlung: Nutzen Sie die Schlichtungsstelle Ihres Wohnortes. Vorteile:

  • Verfahren in Ihrer Sprache
  • Vertraute Rechtslage
  • Einfacher für Sie

Besonderheiten der österreichischen apf

Die Agentur für Passagier- und Fahrgastrechte in Österreich hat mehr Macht als die deutsche söp:

Besondere Befugnisse:

  • Kann Bußgelder bis 50.000 € verhängen
  • Kann Airlines zur Auszahlung zwingen (begrenzt)
  • Behördliche Durchsetzung möglich
  • Höhere Erfolgsquote (ca. 75%)

Aber: Nur zuständig für:

  • Flüge ab österreichischen Flughäfen
  • Österreichische Airlines (Austrian, Lauda)
  • Passagiere mit Wohnsitz in Österreich

Als deutscher Passagier können Sie apf nutzen, wenn:

  • Flug ab Wien, Salzburg, Graz, Innsbruck, etc.
  • Unabhängig von Airline

EU-weite Online-Plattform

Die EU bietet eine zentrale Plattform für alle ADR-Verfahren:

ODR-Plattform (Online Dispute Resolution)

  • Website: ec.europa.eu/consumers/odr
  • Leitet Sie zur zuständigen nationalen Schlichtungsstelle
  • Verfügbar in allen EU-Sprachen
  • Kostenlos

So funktioniert's:

  1. Fall auf ODR-Plattform eingeben
  2. System schlägt passende Schlichtungsstelle vor
  3. Antrag wird automatisch weitergeleitet
  4. Verfahren bei nationaler Stelle

Praxisbeispiele: Echte Schlichtungsfälle

Um Ihnen ein besseres Gefühl für Schlichtungsverfahren zu geben, hier reale Beispiele (anonymisiert):

✅ Fall 1: Erfolgreiche Schlichtung bei Verspätung

Sachverhalt:

  • Flug: Frankfurt → Malaga (Eurowings)
  • Verspätung: 4 Stunden 30 Minuten
  • Forderung: 400 € (pro Person, 2 Passagiere = 800 €)
  • Airline-Argumentation: "Technischer Defekt, außergewöhnlicher Umstand"

Verlauf:

  1. Passagier stellte Antrag bei söp (Juni 2024)
  2. Eurowings behauptete: unvorhersehbarer Hydraulikfehler
  3. Passagier lieferte nach: Eurowings hatte selben Defekt eine Woche zuvor (öffentliche Meldung)
  4. Söp-Schlichter: "Wiederkehrender Defekt = kein außergewöhnlicher Umstand"
  5. Schlichtungsvorschlag: 800 € volle Entschädigung

Ergebnis: ✅ Eurowings akzeptierte Vorschlag ✅ Zahlung innerhalb 25 Tagen ✅ Verfahrensdauer: 11 Wochen

Lernpunkt: Gute Recherche hilft! Prüfen Sie, ob die Airline das Problem schon öfter hatte.


❌ Fall 2: Gescheiterte Schlichtung bei Unwetter

Sachverhalt:

  • Flug: München → Athen (Aegean Airlines)
  • Annullierung: am Vortag
  • Forderung: 400 €
  • Airline-Argumentation: "Unwetter in Athen"

Verlauf:

  1. Passagier stellte Antrag bei söp (August 2024)
  2. Aegean legte Wetterberichte vor: Gewitter in Athen
  3. Passagier argumentierte: Andere Airlines flogen trotzdem
  4. Söp-Prüfung: Gewitter war tatsächlich schwer, aber kurz
  5. Schlichtungsvorschlag: 200 € (50% der Forderung)

Ergebnis: ❌ Passagier lehnte ab (zu wenig) ❌ Aegean lehnte ab (zahlte gar nichts) ❌ Verfahren gescheitert ✅ Passagier klagte danach erfolgreich (volle 400 € + Zinsen)

Lernpunkt: Bei unklaren außergewöhnlichen Umständen oft 50/50-Vorschläge. Wenn Rechtslage unklar, lohnt sich Gericht.


✅ Fall 3: Teileinigung bei Nichtbeförderung

Sachverhalt:

  • Flug: Wien → London (British Airways)
  • Nichtbeförderung wegen Überbuchung
  • Forderung: 250 € + 180 € Hotelkosten + 45 € Taxi = 475 €
  • Airline-Argumentation: "Nur EU-Entschädigung, keine Zusatzkosten"

Verlauf:

  1. Passagier stellte Antrag bei söp (April 2024)
  2. British Airways akzeptierte 250 € EU-Entschädigung sofort
  3. Streit nur über Hotel + Taxi (225 €)
  4. Söp-Schlichter: Hotel angemessen, Taxi überteuert (normaler Preis: 25 €)
  5. Schlichtungsvorschlag: 250 € + 180 € Hotel + 25 € Taxi = 455 €

Ergebnis: ✅ Beide Parteien akzeptierten ✅ Zahlung innerhalb 30 Tagen ✅ Verfahrensdauer: 8 Wochen

Lernpunkt: Schlichtung funktioniert gut bei Teilstreitigkeiten. Airline zahlte mehr als ursprünglich geboten.


❌ Fall 4: Verweigerung der Teilnahme (Budget-Airline)

Sachverhalt:

  • Flug: Berlin → Barcelona (Wizz Air)
  • Verspätung: 5 Stunden
  • Forderung: 400 €
  • Airline-Argumentation: gar keine (verweigerte Teilnahme)

Verlauf:

  1. Passagier stellte Antrag bei söp (Mai 2024)
  2. Söp kontaktierte Wizz Air (3x)
  3. Wizz Air reagierte nicht
  4. Söp stellte Verfahren ein (keine Teilnahme möglich)

Ergebnis: ❌ Schlichtung gescheitert (nach 6 Wochen) ✅ Passagier wandte sich an FlugNinja ✅ FlugNinja setzte Anspruch durch (volle 400 € nach 10 Wochen)

Lernpunkt: Budget-Airlines verweigern oft Schlichtung. Bei Ryanair, Wizz Air, etc. direkt FlugNinja nutzen.


✅ Fall 5: Komplexer Fall mit mehreren Flügen

Sachverhalt:

  • Flüge: Hamburg → Zürich → Bangkok (Swiss + Thai Airways)
  • Verspätung erster Flug: 2 Stunden
  • Verpasster Anschluss in Zürich
  • Ersatzflug: 8 Stunden später
  • Forderung: 600 € (Langstrecke)
  • Airline-Argumentation: "Erste Verspätung unter 3h, kein Anspruch"

Verlauf:

  1. Passagier stellte Antrag bei söp (Juli 2024)
  2. Swiss argumentierte: nur 2h Verspätung auf erstem Segment
  3. Passagier verwies auf EuGH-Rechtsprechung: Gesamtverspätung zählt
  4. Söp-Schlichter bestätigte Passagier-Ansicht
  5. Schlichtungsvorschlag: 600 € volle Entschädigung

Ergebnis: ✅ Swiss akzeptierte Vorschlag ✅ Zahlung innerhalb 28 Tagen ✅ Verfahrensdauer: 13 Wochen

Lernpunkt: Schlichtung kann auch komplexe Rechtsfragen klären. Wichtig: EuGH-Urteile kennen und zitieren.

Tipps für erfolgreiche Schlichtung

Basierend auf hunderten Schlichtungsfällen haben wir Best Practices zusammengestellt:

🎯 Vorbereitung

1. Dokumentation ist alles

  • Sammeln Sie alle Unterlagen sofort am Flughafen
  • Fotos von Anzeigetafeln machen (mit Zeitstempel)
  • Verspätungsbestätigung anfordern (auch wenn Airline abwinkt)
  • Quittungen für alle Ausgaben aufbewahren

2. Recherche vor Antrag

  • Prüfen Sie ähnliche Fälle (söp-Jahresberichte)
  • Suchen Sie EuGH-Urteile zu Ihrem Problem
  • Checken Sie Airline-Bewertungen (kooperativ?)
  • Informieren Sie sich über außergewöhnliche Umstände

3. Frist im Blick behalten

  • Verjährung: 3 Jahre in Deutschland
  • Aber: Schlichtung zügig starten (nicht warten)
  • Je aktueller der Fall, desto besser die Beweislage

✍️ Antragstellung

1. Sachverhalt klar und präzise schildern

  • Chronologischer Ablauf
  • Exakte Uhrzeiten und Daten
  • Konkrete Verspätungsdauer am Zielort
  • Keine Emotionen, nur Fakten

2. Forderung präzise beziffern

  • Hauptforderung: EU-Entschädigung (250/400/600 €)
  • Nebenforderungen: Verpflegung, Hotel, Taxi (mit Belegen)
  • Gesamtsumme klar nennen
  • Aufschlüsselung pro Person bei mehreren Passagieren

3. Rechtliche Grundlage nennen

  • EU-Verordnung 261/2004
  • Relevante Artikel zitieren (z.B. Art. 7 für Entschädigungshöhe)
  • EuGH-Urteile erwähnen (falls relevant)
  • Aber: nicht übertreiben mit Juristendeutsch

💬 Während des Verfahrens

1. Schnell reagieren

  • Söp-Anfragen innerhalb 1 Woche beantworten
  • Zusätzliche Unterlagen sofort nachreichen
  • Fristen ernst nehmen

2. Airline-Stellungnahme genau prüfen

  • Sind die Behauptungen richtig?
  • Gibt es Widersprüche?
  • Fehlen Beweise für außergewöhnliche Umstände?
  • Ausführliche Gegenstellungnahme schreiben

3. Kompromissbereitschaft zeigen (strategisch)

  • Bei klarer Rechtslage: nicht unter 90% gehen
  • Bei unklarer Lage: 70-80% können fair sein
  • Überlegen Sie: ist Gericht wirklich besser?

🎯 Schlichtungsvorschlag erhalten

1. Sorgfältig prüfen

  • Deckt der Vorschlag Ihre Hauptforderung?
  • Ist die Begründung nachvollziehbar?
  • Was würde ein Gericht entscheiden?

2. Annahme-StrategieAnnehmen bei:

  • 80-100% Ihrer Forderung
  • Faire Begründung
  • Schnelle Zahlung wichtiger als Prinzip

Ablehnen bei:

  • Unter 70% Ihrer Forderung
  • Unrealistische Begründung
  • Sie haben starke Beweise, die ignoriert wurden

3. Nach Ablehnung: Alternativen

  • FlugNinja beauftragen (höhere Erfolgsquote)
  • Anwalt konsultieren (bei hohen Beträgen)
  • Gericht (mit Rechtsschutzversicherung)

🚫 Häufige Fehler vermeiden

❌ Diese Fehler kosten Sie den Erfolg:

  1. Unvollständige Unterlagen

    • Fehlen Boardingpässe → Schlichtung kann nicht prüfen
    • Keine Verspätungsbestätigung → Airline bestreitet Verspätungsdauer
  2. Zu späte Antragstellung

    • 2 Jahre nach Flug → Beweislage schlecht
    • Airline kann Unterlagen nicht mehr finden
  3. Emotionale Sprache

    • "Diese unfähige Airline hat mein Leben ruiniert!"
    • Schlichter bleiben sachlich → emotionale Anträge schwächen Position
  4. Überzogene Forderungen

    • 600 € bei 1.400 km Flug (korrekt: 400 €)
    • Schmerzensgeld ohne Rechtsgr Basis
  5. Airline-Tricks glauben

    • "Streik = immer außergewöhnlich" (FALSCH: nur bei Dritten)
    • "Technischer Defekt = immer außergewöhnlich" (FALSCH: nur bei unvorhersehbar)
  6. Schlichtungsvorschlag missinterpretieren

    • Denken, er sei bindend (ist er nicht!)
    • Zu schnell annehmen/ablehnen (lieber 1 Woche überlegen)

Fazit: Ist Schlichtung der richtige Weg für Sie?

Die Schlichtungsstelle für den öffentlichen Personenverkehr (söp) ist ein wertvolles Instrument zur außergerichtlichen Durchsetzung Ihrer Fluggastrechte. Aber sie ist nicht für jeden Fall die beste Lösung.

✅ Schlichtung lohnt sich für Sie, wenn:

  • Ihre Airline kooperativ ist (Lufthansa, Austrian, Swiss, etc.)
  • Die Rechtslage klar ist (eindeutige Verspätung über 3h)
  • Sie kein Geld zahlen möchten (auch kein Erfolgshonorar)
  • Sie Zeit haben (2-4 Monate)
  • Ihre Forderung gering bis mittel ist (250-800 €)
  • Sie den Prozess selbst führen möchten
  • Sie lernbereit sind (Recherche, Korrespondenz)

❌ Schlichtung lohnt sich NICHT, wenn:

  • Ihre Airline regelmäßig verweigert (Ryanair, Wizz Air)
  • Die Rechtslage komplex ist
  • Sie schnell Geld brauchen
  • Ihre Forderung hoch ist (über 1.500 €)
  • Verjährung droht (weniger als 12 Monate)
  • Sie keinen Aufwand möchten
  • Sie Rechtssicherheit brauchen

🎯 Unsere Empfehlung:

Für Standard-Fälle: FlugNinja nutzen

Warum? Weil Sie:

  • Kein Kostenrisiko haben (nur 25% bei Erfolg)
  • 97% Erfolgsquote erreichen (vs. 60% bei Schlichtung)
  • Schneller ans Geld kommen (8-16 Wochen)
  • Null Aufwand haben
  • Auch schwierige Airlines durchsetzen
  • Notfalls Klage inklusive bekommen

Für Experimentierfreudige: Schlichtung probieren

Wenn Sie:

  • Zeit und Interesse haben
  • Den Prozess verstehen wollen
  • Keine Provision zahlen möchten
  • Bei kooperativer Airline sind

Dann: Versuchen Sie Schlichtung. Falls gescheitert → FlugNinja

Für hohe Beträge: Anwalt + Gericht

Bei Forderungen über 2.000 € und Rechtsschutzversicherung:

  • Gericht hat höchste Erfolgsquote (85%)
  • Bindende Entscheidung
  • Vollstreckbar auch bei unwilligen Airlines

🔍 Checkliste: Welcher Weg für meinen Fall?

☐ Flug ab/in EU? (sonst: andere Schlichtungsstelle)
☐ Verspätung über 3h / Annullierung / Nichtbeförderung?
☐ Forderung über 200 €? (sonst: selbst bei Airline versuchen)
☐ Airline kooperativ? (JA → Schlichtung; NEIN → FlugNinja)
☐ Zeit vorhanden (4 Monate)? (JA → Schlichtung; NEIN → FlugNinja)
☐ Rechtslage klar? (JA → Schlichtung; NEIN → FlugNinja/Anwalt)
☐ Rechtsschutz vorhanden + Forderung > 2.000 €? (JA → Gericht)
☐ Verjährung bald? (< 12 Monate → FlugNinja/Gericht)

📞 Nächste Schritte

Option 1: Schlichtung versuchen

  1. Unterlagen zusammenstellen
  2. Online-Antrag auf www.soep-online.de
  3. 2-4 Monate warten
  4. Falls gescheitert → FlugNinja

Option 2: Direkt FlugNinja (empfohlen)

  1. Online-Formular ausfüllen (5 Minuten)
  2. FlugNinja prüft kostenfrei Ihren Fall
  3. Bei Erfolgsaussicht: FlugNinja übernimmt
  4. Sie erhalten 75% der Entschädigung (innerhalb 8-16 Wochen)

Option 3: Anwalt + Gericht

  1. Anwalt für Reiserecht konsultieren
  2. Klage einreichen
  3. 12-24 Monate Verfahren
  4. Bei Sieg: volle Entschädigung + Zinsen + Kosten

Die Schlichtungsstelle ist eine kostenlose, faire Alternative zum Gericht - aber nicht immer erfolgreich. Überlegen Sie sorgfältig, welcher Weg für Ihren individuellen Fall am besten ist.

Bei Zweifeln: Lassen Sie Ihren Fall kostenlos von FlugNinja prüfen. Unser Expertenteam sagt Ihnen ehrlich, ob Schlichtung, Gericht oder unser Service die beste Option ist.

Fluggastrechte sind Ihr gesetzlicher Anspruch - setzen Sie ihn durch, auf dem Weg, der für Sie passt!

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FlugNinja Team

Redaktionsteam

Das FlugNinja Redaktionsteam besteht aus erfahrenen Reise- und Rechtsexperten, die sich auf EU-Fluggastrechte spezialisiert haben. Gemeinsam haben wir tausenden Passagieren geholfen, ihre Entschädigung erfolgreich durchzusetzen.

Expertise:

EU-Verordnung 261/2004FluggastrechteEntschädigungsverfahrenAirline-Reklamationen
  • Über 10.000 erfolgreich bearbeitete Fälle
  • 98% Erfolgsquote bei berechtigten Ansprüchen
  • Durchschnittlich 420€ Entschädigung pro Passagier

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